2024 wurde aus den beiden AWO-Kreisverbänden Rosenheim und Miesbach-Tegernsee ein Kreisverband für die beiden Landkreise zusammen. Wir haben mit dem Geschäftsführer des Verbands, Anton Reiserer, gesprochen.
WIR: Warum die Veränderung?
Reiserer: Ziel der Verschmelzung ist, den Ortsvereinen im Landkreis Miesbach-Tegernsee aktive Ortsvereine und einen sozial-unternehmerischen Kreisverband zur Seite zu stellen, der ihre Arbeit vor Ort unterstützt und begleitet. Die Arbeit in den Ortsvereinen ist zum Teil herausfordernd, unter anderem weil die Mitgliederzahlen zurückgehen. So gehören die Ortsvereine im Landkreis Miesbach nun zum Kreisverband Rosenheim-Miesbach und können sich in einem erweiterten Kreis austauschen und vernetzen.
Da der Kreisverband Miesbach keine eigenen Einrichtungen und keine hauptamtlichen Mitarbeitenden beschäftigte, bot sich die Verschmelzung mit dem Kreisverband Rosenheim an, auch um den Kommunen im Landkreis Miesbach als Träger für Kindertageseinrichtungen, schulische Betreuungsdienste und soziale Aufgaben als Partner zur Verfügung zu stehen.
WIR: Warum war die AWO in zwei benachbarten Landkreisen die letzten Jahre so unterschiedlich aktiv?
Reiserer: Das hat vor allem historische Gründe, denke ich. In der Region Rosenheim lebte die AWO als ein traditioneller Verband der Arbeiter*innenbewegung nach dem Verbot im Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Im Oberland war diese Tradition weniger gegeben, mit Ausnahme des Bergwerksstandorts Hausham. Die Ortsvereine im Oberland haben es vor diesem Hintergrund nicht leicht und haben dennoch ein bemerkenswertes Engagement an den Tag gelegt.
Unsere Erfahrung zeigt, dass Ortsvereine dort Mitgliederzuwächse verzeichnen, wo es eine aufsuchende Seniorenarbeit gibt und zum Beispiel Bewohner*innen des Seniorenzentrums oder zu Hause zum Geburtstag besucht werden oder jemand zum Seniorencafé oder einem kleinen Ausflug einlädt. Gerne wollen wir mit unseren neuen Ortsvereinen Tegernsee, Bad Wiessee, Hausham und Miesbach intensiv zusammenarbeiten und unsere Netzwerke stärken. So können Rosenheimer Ortsvereine künftig zum Beispiel den Ortsverein Tegernsee besuchen und so die Möglichkeit bieten, miteinander zu sprechen und neue Kontakte zu knüpfen.
WIR: Welche Herausforderungen gab es im Vorfeld der Verschmelzung zu meistern?
Reiserer: Die Herausforderungen waren vor allem juristischer Natur. Für die Verschmelzung zweier Kreisverbände ist ein notariell beglaubigter Vertrag nach dem Umwandlungsgesetz notwendig. Zudem kann eine Verschmelzung nur stattfinden, wenn es auf beiden Seiten handlungsbereite Vorstandschaften gibt. Hätte der Kreisverband Miesbach hauptamtlich tätige Mitarbeitende gehabt, hätten weitere tarifrechtliche Vorgaben beachtet werden müssen.
WIR: Wie läuft das neue Modell aktuell?
Reiserer: Aktuell sind wir dabei, die neuen Ortsvereine weiter in unsere Strukturen zu integrieren. Wir haben sie bereits eingeladen und einen Kreisausschuss abgehalten. Außerdem wollen wir sie in den nächsten Ausgaben unserer Mitgliederzeitschrift vorstellen. Wir wollen sie weiter vernetzen mit den Ortsvereinen im Landkreis Rosenheim. Außerdem haben wir die Gemeinden im Landkreis Miesbach-Tegernsee über das erweiterte Gebiet unseres Kreisverbands informiert. So kann die AWO in der Region mit ihrer Fachlichkeit und Expertise, ihren rund 22 Kindertagesstätten und 18 schulischen Kooperationen im Schulbereich eine professionelle, konfessionsübergreifende Alternative für Trägerschaften im Kinder- und Jugendbereich sein.
Das Interview führte Linda Quadflieg.
Foto: Anton Reiserer (knieend) und das Team der Geschäftsstelle des AWO-Kreisverbands Rosenheim-Miesbach (© AWO Kreisverband Rosenheim-Miesbach e.V.)
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